Bielefeld Sweater

Der Bielefeld Sweater. Ein limitieres Sweatshirt mit Geschichte. Im Herbst 2021 forderten wir die Bielefelder*innen zum Jeansrecycling auf. An verschiedenen Punkten in der Stadt konnten alte Jeans abgeben werden. Die Bielefelder*innen beteiligten sich fleissig an der Aktion und in knapp 4 Wochen wurden ungefähr 1200 Jeans eingesammelt. Fast eine Tonne Jeansstoff für das Recycling. 

Die alten Jeans wurden zur Recyclingfirma nach Osnabrück gebracht. Die geschredderten Jeans bilden das Rohmaterial für das neue Garn, aus den umweltfreundliche Textilien enstehen.Aus produktionstechnischen Gründen konnten wir die Bielefelder Jeans nicht direkt im Bielefelder Sweater verwendet. 

Der Bielefeld Sweater ist der Abschluss des Projektes.  Wir sind stolz, dass es so gut geklappt hat und das Bewusstsein für textiles Recyling gefördert wurde.
 

Q&A beantwortet von André Weise (Ideavelop)

Lohnt sich der weite Weg hin und zurück nach Portugal, oder gehen die Jeans nicht einfach besser in den Altkleidercontainer?

Der Transport der Jeans geht erst mal nach Gronau in Westfalen, das sind von Bielefeld aus knapp 140km. Die dort hergestellte Reissfaser wird dann bei Spoerry/CH zu dem Garn verarbeitet, aus dem in Portugal ein Sweater wird. Klar, es sind Wege zurückzulegen. Aber im Verhältnis sind diese Wege doch recht kurz, verglichen mit dem Weg von bspw. Schanghai oder Bangladesch nach Rotterdam und von dort aus weiter zum Handel. Man muss sich immer die Relationen bewusst machen und sich die Frage stellen, was die Alternativen sind. Wird die Jeans nicht recycelt, geht der Rohstoff verloren. Das hat zur Folge, dass auf Flächen, die zur Nahrungsgewinnung genutzt werden könnten, frische Baumwolle angebaut werden muss. Bewässert mit wertvollem Wasser, das dann auch irgendwo fehlt. 

 

Beinhaltet ‚naturfarben‘ einen Bleichprozess? Finden solche Prozesse mit Chemie statt? Wie läuft der ab?

Ungefärbt ist nicht gleichbedeutend mit gebleicht. Die Außenseite des Sweaters ist ungebleichte Baumwolle aus GOTS zertifizierten Anbau in Europa. Baumwolle vom Strauch ist nicht rein weiß. Daher ist der Sweater außen nicht weiß (was gebleicht wäre) sondern sehr hell beige mit Melange Look. Auch die recycelte Bio Baumwolle im Sweater ist ungebleichter Textilabfall der ohne unser Recycling nutzlos verbrannt würde - und hier kommen wir wieder bei obigen Argumenten an. Die Innenseite des Sweaters besteht aus den recycelten Jeans und der nachhaltigen Naturfaser Tencel, hergestellt in Österreich. Diese und die Jeansfaser werden vermischt und gesponnen. Man erkennt den Anteil der Jeans im Futter an der unregelmäßigen Struktur und der blauen Einfärbung. Es findet keinerlei Bleichung statt.
 

Jeans = Gratisrohstoff? 

Ein Kilo alter Jeans bringt auf dem Markt nicht viel. Der Aufwand des Sammelns und der Transport nach Gronau fressen Erlöse in Form des Kilopreises auf. Anders als beim Grünen Punkt muss der Konsument hier nichts für das Recycling in Form von Müllgebühren, Umlage der Kosten des Produzenten und Inverkehrbringens von Verpackungen (LUCI) auf den Verbraucher etc. bezahlen. Auch Glasflaschen und Gläser (Marmelade, Olivenöl, Wein, Säfte), die nicht mit Pfand belegt sind, bringen wir alle gerne zum Altglascontainer, um es dem Recycling zu zuführen. Stellen wir da nicht auch Rohstoff kostenfrei zur Verfügung? Wir bezahlen sogar dafür, das Glas wird schließlich auch abgeholt, transportiert und verarbeitet - und das verursacht Kosten. Mit Strom oder Wasserstoff fahren die LKW nicht ... Es wäre gut, Textilrecycling ähnlich zu etablieren wie bei Altpapier, Verpackungen und Glas. Um genau dieses Bewusstsein geht es bei der Aktion.

 

 


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